Freitag, 18 Januar 2019

Ineffiziente Förderung des Solarstroms

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Finanzen Montag, 25 Februar 2013 00:00
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH
Alpe Nordsee Verlag GmbH

München - Die gezielte drastische Subventionierung der Solarenergie ist ineffizient. Sie führt zu einer Verwendung volkswirtschaftlicher Ressourcen, die einer natürlichen marktwirtschaftlichen Entwicklung widersprechen, ohne ein Mehr an Wohlfahrt zu erzeugen. Die unbegrenzte Vergütung des über Solaranlagen erzeugten Stroms zu einem Fördersatz, der deutlich über dem Marktpreis des gewerblich angebotenen Stroms liegt, bewirkt einen zunehmenden Anstieg privater Investitionen in diese Anlagen. Solange die Einspeisungsmenge nicht begrenzt ist und die Kilowattvergütung über dem Marktpreis liegt, lohnt sich die private Errichtung von Solaranlagen. Bremsend wirkt allenfalls die Furcht vor einem unerwarteten Ende der Subventionierung, bevor die Investitionskosten durch den angesammelten Einspeisungsgewinn ausgeglichen sind.

Die privaten Investitionen in Solaranlagen erreichen ihre volkswirtschaftlich sinnvollen Grenzen spätestens dann, wenn damit mehr Strom produziert wird, als für den Verbrauch benötigt. Zeitweise wird dies bei extremer Sonnenscheindauer bereits jetzt erreicht. Im Gegeneffekt wird der Strom, der herkömmlich erzeugt wird, teurer. Kohle-, Gas- oder Kernkraftwerke müssen nicht nur abschalten, wenn hinreichend Solarstrom erzeugt wird, sie müssen auch sofort wieder einsatzbereit sein, wenn die Sonne nicht mehr scheint. Die Grundkosten der Bereitstellung, die betriebswirtschaftlichen Fixkosten, fallen somit immer an. Der öffentliche Strom wird damit schon aufgrund gestiegener Kosten teurer. Hinzu kommt der Strompreisaufschlag, der zur Finanzierung der Solarstromsubventionen erhoben wird.

Dadurch sinkt aber die Differenz zwischen Einspeisungsvergütung und dem staatlich verzerrten Marktpreis des Stroms. Die verringerte relative Rentabilität verursacht eine Gegenbewegung, in der die privaten Investoren zunehmend Solarstromanlagen meiden. Aufhalten läßt sich dies nur durch eine Erhöhung der Einspeisungsvergütung, die aber wieder eine Erhöhung des Marktpreisaufschlags bewirkt. Dieser Teufelskreis der inflationären Aufblähung des Strompreises muß langfristig zu einem totalen Zusammenbruch des Systems führen oder zu einer subjektiven politischen Auswahl der Subventionsempfänger und deren Stromeinspeisungsmengen mit dem Endzustand der Einbindung der Stromindustrie in eine zentralverwaltete Planwirtschaft.

Im Gesamtergebnis verursacht die politisch verursachte Fehlallokation der volkswirtschaftlichen Ressourcen einen Verlust an allgemeinem Wohlstand, der sich nicht nur materiell am individuell entgangenem Nutzen messen läßt, weil Einkommen, das vermehrt für Strom ausgegeben werden muß, nicht mehr für andere Güterkäufe zur Verfügung steht. Auch der politisch propagierte Gewinn an Umweltqualität läßt sich individuell kaum erfassen, geschweige denn seine Höhe an gesellschaftlicher Wohlfahrt nachweisen.

Die marktwirtschaftliche Alternative wäre dagegen nicht nur einfacher, sondern auch effizienter. Jeder Hausbesitzer installiert nach eigener Kosten-Nutzen-Kalkulation seine Solaranlage auf sein Dach, jedoch nur mit direkter eigener Nutzung. Falls er rein kostenorientiert handelt, wird er sich nur dann dafür entscheiden, wenn die Betriebskosten pro Kilowattstunde, einschließlich der Finanzierungskosten und der Abschreibung der Anlage, geringer sind als der Preis, den der überregionale Stromanbieter fordert. Diese Situation ist insbesondere dann schnell erreicht, wenn der Staat die gewerbliche Stromerzeugung durch andere Energieträger wie Kohle, Gas oder Uran verbietet oder mit kostenintensiven Auflagen belastet.

Die Selbstversorgung mit Solarstrom bietet darüber hinaus zusätzliche individuelle Erträge, wie die Befriedigung, etwas für die Umwelt getan zu haben (wenn die Öko-Bilanz als positiv erachtet wird) oder unabhängig von externen Stromversorgern zu sein. Beides kann dazu führen, daß die Entscheidung auch dann zugunsten der Selbstversorgung fällt, wenn der öffentliche Strom teurer ist. Der Autarkieaspekt gewinnt insbesondere dann an Gewicht, wenn die öffentliche Stromversorgung durch die zuvor erwähnten staatlichen Interventionen unsicherer wird. Darüber hinaus bietet die solare Selbstversorgung den Freiraum zur persönlichen Entscheidung, bei fehlendem Sonnenlicht entweder auf die öffentlichen Stromversorgung zurückzugreifen oder auf Stromverbrauch ganz zu verzichten.

In der Summe führen die individuellen Entscheidungen sicherer zu einem Maximum an gesellschaftlicher Wohlfahrt als staatliche verordnete Regulierungen mit permanenter Nachsteuerung. Die ständige Konkurrenz zwischen autarker und externer Stromversorgung sichert zudem die technologische Weiterentwicklung bestehender Stromerzeugungsalternativen wie auch die innovative Forschung auf diesem Gebiet. Auch Wettbewerb fördert die gesellschaftliche Wohlfahrt. Wettbewerbsaufhebende staatliche Regulierungen bewirken das Gegenteil.

Zurück zu den marktwirtschaftlichen Kräften sollte daher die Devise beim Solarstrom lauten. Der dazu erforderliche Abbau der Subventionen, wie er zur Zeit vorsichtig angedacht wird, stößt auf politische Widerstände und besitzstandswahrendes Denken. Dagegen im nachhinein anzugehen ist immer schwerer als solche Fehlentwicklungen im Vorfeld zu vermeiden. Das sollte zumindest bei anderen bevorstehenden energiepolitischen Fehlentscheidungen zu denken geben.

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