Donnerstag, 20 Juni 2019

Nicht nur am Jahresende: Schenken und Spenden ist keine Einbahnstraße

… kehrt ins eigne Herz zurück

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Finanzen Freitag, 06 Dezember 2013 12:57
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb
Bild: Alpe Nordsee Verlag GmbH

Darf das Schenken und Spenden mit marktwirtschaftlichen Instrumenten analysiert werden? Gerade zur Weihnachtszeit, dem Fest der Liebe? Das menschliche Verhalten ist durch Kosten-Nutzen-Erwägungen zentral geprägt, auch wenn sie sich vielfach nur unterbewusst abspielen – gerade bei gefühlsmäßigen Einschätzungen. Die allgemeine finanzielle Spendenbereitschaft nimmt insbesondere zum Jahresende zu. Das Weihnachtsfest spielt dabei als Anlass eine tonangebende, aber nicht maßgebliche Rolle. Beispielsweise fallen bei der möglichen steuerlichen Absetzbarkeit eventuell noch nicht ausgeschöpfte Maximalbeträge oder der bereits absehbare Jahresgewinn ins Gewicht. Hier, aber auch beim privaten Schenken beeinflussen „Gegengeschäfte“ die Geberlaune. Das müssen nicht nur (offen oder insgeheim) erwartete Gegengeschenke sein, vor allem die mehr oder weniger deutlich bekundete Dankbarkeit zählt.

Altruistisches Handeln im engeren Sinne, das uneigennützige Geben ohne Gegengabe, ist kaum erdenklich. Schon die dichterische Weisheit „Denn die Freude, die wir geben, kehrt ins eigne Herz zurück“ beschreibt die elementare Begleichung jedes altruistischen Handelns. Kehrt keine Freude zurück, wird unsicher, ob überhaupt Freude geschenkt wurde. Das altruistisch erwartete Handeln wird damit annulliert. Fehlen die strahlenden Augen der Kinder angesichts der Weihnachtsgeschenke, ist etwas schiefgelaufen. Beim Schenkenden muss zumindest das Gefühl entstehen, Wohlbefinden bei dem Beschenkten bewirkt zu haben. Leichter wird dies, wenn Dankbarkeit bekundet wird. So wird erklärbar, warum schon kleinen Kindern beigebracht wird, nach einem Geschenk „Danke“ zu sagen. Die Nachfrage des Gebenden: „Freust du dich?“, ist nichts anderes als das Einfordern einer Gegengabe. Bleibt die Betätigung aus, vermindert sich die Bereitschaft des Gebenden, diese Gabe zu wiederholen oder überhaupt wieder etwas zu schenken.

 

Noch kalkulierbarer wird das Schenken, wenn ein materielles Gegengeschenk erwartet wird. Gerade Weihnachten ist dadurch gekennzeichnet, sich gegenseitig zu beschenken. Enttäuscht der materielle Vergleich zwischen erhaltenem und gegebenem Geschenk bedarf es zumindest einer gefühlsmäßigen Kompensation. Natürlich kann das Selbstgebastelte eines Achtjährigen nicht mit der entgegengenommenen Spielzeugeisenbahn vom Sachwert her konkurrieren, die altersbezogene Leistung, die hinter der Beschaffung des Geschenks steckt, jedoch schon. Gerade bei materiellen Geschenken hat zudem das verfügbare Einkommen einen großen Einfluss auf die Ausgaben, die für adäquate Geschenke aufgewendet werden. In diesem Zusammenhang fällt die besonders in Amerika übliche Regel, zehn Prozent des verfügbaren Einkommens am Jahresende für wohltätige Zwecke zu spenden. Die relativen Kosten und nicht die absolute Höhe der Spende, respektive der absolute Wert eines Geschenkes, bestimmen somit die absolute Freude am Schenken.

 

Bei regelmäßigem Schenken über Jahre hinweg spielt zudem die Gesamtbilanz eine Rolle. Besonders wenn das Einkommen mit der Zeit zunimmt, kann das Gefühl, in früheren Jahren zu wenig gegeben zu haben, zu einer nachfolgenden Überkompensation führen. Die Bereitschaft zu großen Geschenken bei fortschreitendem Alter und zunehmendem Vermögen geht bei reichen Menschen häufig mit dem Gefühl einher, „etwas zurückgeben zu müssen“, weil man im Leben mehr Glück hatte als andere. Auch hier trifft die altruistische Verhaltensweise auf eine Gegenleistung, die Besänftigung des moralischen oder sozialen Gewissens. Die Geschichte ist angefüllt mit Beispielen reicher Menschen, die im Alter wohlfahrtsstiftende Schenkungen beschlossen haben. Gutes Beispiel macht Schule, so dass sich andere diesem Verhalten anschließen. Vielleicht auch um den Schenkungsertrag zu genießen, sonst den Ruf eines Geizhalses erdulden zu müssen.

 

Vielfach erfolgen gerade große Schenkungen in Form von Stiftungen. Das geschenkte Vermögen wird zwar dem eigenen Besitz entzogen, nicht aber die Verwaltung. Hierbei wird nicht nur eine differenzierte und damit nach Ansicht des Stifters effiziente Verteilung des Geschenks langjährig gesichert, es werden auch ideelle Schenkungserträge generiert: Das hohe Ansehen des Stifters, selbst über seinen Tod hinaus. Der Geber bezahlt so mit seiner Gabe sein eigenes selbsterrichtetes Denkmal. Das muss natürlich nicht den Wert des Geschenkes schmälern, den der Empfänger empfindet. Nicht ganz so großformatige Schenkungen erhalten oft bereits vorhandene Stiftungen oder Hilfsorganisationen kirchlicher oder weltlicher Provenienz. Den altruistischen Ertrag des Spenders schmälert dann nicht nur die relative Anonymität der Spende. Auch die potentielle Unsicherheit hinsichtlich der effizienten Verwertung seines Geldes mindert den ideellen Spendengewinn des Gebers.

 

Die Rolle des Staates beim Schenken und Spenden ist zwiespältig. Einerseits besteuert er private Schenkungen mit einer Schenkungssteuer, andererseits begünstigt er Spenden an gemeinnützige öffentliche Einrichtungen durch Steuerminderung. Durch dieses diskriminierende Verhalten des Staates verlagert sich die Aufteilung des potentiellen Spendenvolumens vom privaten auf den organisierten Empfänger. Eine Spende von 1.000 Euro an einen Sportverein kostet den Spender bei einem Steuersatz von 20 Prozent letztlich nur 800 Euro. Schenkt er dagegen die 1.000 Euro seiner einkommensschwachen Tante, muss er nicht nur zusätzlich 200 Euro an Steuern abgeben, im Wiederholungsfalle muss die Tante auch noch vom erhaltenen Geld Schenkungssteuer entrichten.

 

Besonders obskur wird das Schenken, wenn der Staat selbst als Geber auftritt und seine Spende aus Steuermitteln finanziert wird. Der gebende Steuerzahler hat nur in extremen Ausnahmefällen den altruistischen Ertrag der Schenkungsfreude. Der Empfänger staatlicher Geschenke, für die er keine Gegenleistung zu erbringen hat, wird in ebenso seltenen Ausnahmefällen das Gefühl der Dankbarkeit zeigen. Der Staat wird halt nicht als Weihnachtsmann anerkannt, sondern als Überbringer von sendepflichtigen Geldbeträgen, die eher als zu knapp bemessen angesehen werden. Angesichts der kaum noch vorhandenen Freude, die der Empfänger staatlicher Geschenke zeigt, kehrt demzufolge immer weniger in das Herz des Steuerzahlers zurück.

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