Freitag, 21 Juni 2019

Versteckte Zusatzeinnahmen, ökologisch verbrämt

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Finanzen Mittwoch, 06 März 2013 00:00
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH
Alpe Nordsee Verlag GmbH

E10-Benzin-Rückstand kommt dem Fiskus gerade recht

Das Thema Öko-Benzin, genauer die Beimischung von aus Pflanzen gewonnenem Bioethanol zum aus Mineralöl raffinierten Benzin, gehört zu den peinlichsten Fehlgriffen ökologisch verblendeter Aktionisten. Seit Anfang 2011 ist die neue Benzinsorte E10 als verbindliches Tankstellenangebot vorgeschrieben. Dabei wird dem mineralischen Benzin zehn Prozent Bioethanol beigemischt. Die Bundesregierung schreibt aufgrund einer EU-Verordnung den in Deutschland tankenden Autofahrern vor, 20 Prozent der gesamten Verbrauchsmenge als E10-Benzin zu tanken. Können die Mineralölfirmen diesen Absatz nicht nachweisenden, sind Strafgelder fällig. Tatsächlich betrug im Jahr 3011 der E10-Absatz nur 9,3 Prozent der Benzinmenge, 2012 schätzungsweise 13,6 Prozent.

Bioethanol-Beimischungen gab es zuvor beim Superbenzin mit einem Anteil von 5 Prozent. Diese auch E5 genannte Benzinsorte darf weiterhin angeboten werden, ebenso das bioethanolfreie Superplusbenzin. Ziel der Bioethanol-Beimischungspolitik ist es, bis zum Jahr 2020 mindestens 10 % des Endenergieverbrauchs im Verkehrssektor aus erneuerbaren Energiequellen zu decken. Doch die Milchmädchenrechnung, Pflanzen wachsen nach, Erdöllager nicht, überzeugt die Autofahrer nicht. Sie meiden beharrlich die E10-Betankung – aus rational nachvollziehbaren Gründen.

Gegen die Verwendung von Bioethanol als Treibstoff spricht zum einen die ökologische Gesamtkalkulationen. Ökologisch sinnvoll wäre Bioethanol nur dann, wenn die ökologische Gesamtbilanz positiv auf ausfallen, die Belastung der Umwelt dadurch verringert würde. Zur Erzeugung des Bioethanols werden jedoch mehr ökologische Ressourcen verbraucht, als an Umweltschonung durch einen eventuellen Minderverbrauch von mineralischem Benzin erreicht wird. Zudem führt die verstärkte Anpflanzung zur Bioethanolgewinnung zu einer Belastung der agrarischen Produktion von Lebensmitteln. Dadurch werden Lebensmittel teurer, was insbesondere in unterentwickelten Staaten zu Ernährungsproblemen führen kann. Für die Landwirte dieser Staaten ist die Produktion von Bioethanolpflanzen oder auch die Produktion direkt mit anschließenden Export in die reichen Industriestaaten profitabler als die Produktion von Lebensmitteln, die auf den heimischen Absatzmärkten nur geringe Preise erzielen können. Dort führt gerade dieses Bewußtsein, nunmehr statt totem mineralischen Öl „Lebensmittel“ als Kraftstoff zu verbrennen, bei den Autofahrern zu einer verminderten Nachfrage nach E10-Benzin.

Darüber hinaus hat die halberzwungene Einführung von E10-Benzin eklatante ökonomische Schwächen, die eine Erreichung der avisierten Absätze praktisch unmöglich machen. Nach wie vor wird neben dem E10-Benzin auch das mit nur 5 % Bioethanol auf gemischte Superbenzin angeboten. Sogar das vollkommen bioethanolfreie Superplusbenzin bleibt verfügbar. Angesichts der teuren Benzinpreise vergleichen die meisten Autofahrer penibel die Kosten und den Nutzen der verschiedenen Benzinsorten. Dabei zeigte sich zum einen daß die Preisdifferenzen zwischen den Benzinsorten in der Regel jeweils vier Cent betragen. Superbenzin ist 4 Cent teurer als das E10-Benzin und Superplus 4 Cent teurer als das Superbenzin. Zum anderen wird festgestellt, daß die verschiedenen Benzinsorten eine unterschiedliche Kilometerleistung liefern. So wird auf 100 km schätzungsweise 5 % mehr Benzin der Qualität E10 verbraucht als Superbenzin. Die Verwendung von Superplus wiederum führt zu einer 5 % höheren Kilometerleistung gegenüber dem Superbenzin. In der Konsequenz bedeutet dies: Pro 100 km wird bei allen drei Sorten in etwa die gleiche Menge mineralisches Benzin verbraucht. Das beigemischte Bioethanol verbrennt nutzlos, ohne das Fahrzeug einen Kilometer weiter zu transportieren.

Solange der Preis des Superbenzin nicht um 5 % geringer ist, als der Preis des Superplus, vor allem aber solange der Preis des E10-Benzins nicht um 5 % geringer ist als der des Superbenzin, ist es für den Fahrer unattraktiv, die bioethanolhaltigen Benzinsorten zu tanken. Dies erklärt hauptsächlich den äußerst geringen Absatz von E10-Benzin. Die Mineralölproduzenten wären deshalb nun rechtlich gezwungen, entsprechende Strafzahlungen zu leisten. Dies wissend schlagen sie diese Kosten auf die Preise der anderen Benzinsorten auf, schätzungsweise mit 2 Cent pro Liter. Der Autofahrer bezahlt damit indirekt eine zusätzliche Abgabe in die Staatskasse. Dem Staat ist diese Option recht, weil er dadurch zusätzliche Einnahmen erhält. Der Mineralölindustrie ist an einer offenen Diskussion dieser Problematik kaum gelegen, da sie keine Verluste erleiden, sondern im Gegenteil durch die verzögerte Abgabe an den Staat noch den Zinsvorteil eines kostenlosen Kredits erfahren. Die Politiker haben sogar zwei Gründe, dieses Thema peinlich zu verschweigen. Zum einen müßten sie eingestehen, daß sie einen fundamentalen ökologischen Irrtum begangen haben. Zum zweiten müßte der Staat auf eine lukrative Zusatzeinnahme verzichten.

Wäre es den Staat wirklich um das Ziel gegangen, den Verbrauch von mineralischem Öl bei Kraftfahrzeugen zu vermindern, hätte er dieses Ziel mit direkten Strafabgaben besser erreichen können. Er hätte lediglich die Mineralölsteuer heraufsetzen müssen. Durch den gestiegenen Mineralölpreis wäre die Nachfrage nach Benzin zurückgegangen. Die wirtschaftliche Beeinträchtigung wäre auch nicht größer gewesen als bei einem erfolgreichen E10-Verbrauch. Nur ein höherer Preis, in diesem Falle künstlich durch die erhöhte Staatsabgabe erzeugt, ist in der Lage, den Verbrauch zu senken. Warum der Staat dieses Mittel nicht einsetzt , läßt sich unschwer vermuten. Höhere Staatsabgaben sind den Wählern schlecht zu verkaufen, insbesondere wenn es sich um bloße Erhöhungen bereits bestehender Steuern und Abgaben handelt. Hilfreicher aus Sicht der Politiker ist die Einführung neuer Begriffe wie „umweltschonendes E10-Benzin“, mit denen die zusätzlichen Abgaben der Verbraucher an den Start weitgehend verdeckt werden.

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