Montag, 17 Juni 2019

Weder Bankenregulierung noch Bankenrettung nötig

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Finanzen Freitag, 15 März 2013 16:58
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb, Chefökonom der Alpe Nordsee Verlag GmbH
Alpe Nordsee Verlag GmbH

Müssen die Banken schärfer vom Staat kontrolliert oder sogar gerettet werden? Die Frage einer stärkeren Einflussnahme des Staates auf die Banken stellt sich insbesondere dann, wenn Banken in Notlagen geraten. Eine drohende Insolvenz verunsichert nicht nur die Kunden der Bank, soweit sie ihre Ersparnisse dort deponiert haben, sie veranlasst auch regelmäßig die Politiker, Konzepte zu entwerfen und sich scheinbar schonend vor die von Verlusten bedrohten Bankkonten zu stellen. Ob dies tatsächlich notwendig ist und ob nicht auch andere Beweggründe dahinter stehen, die nicht offen genannt werden, bedarf einer genaueren Betrachtung, welche Aufgaben Banken zu übernehmen haben. Primär dienen sie der Verwaltung von eingelegten Geldern der Kunden, der sicheren Verwahrung und problemlosen Rückzahlung der Einlagen, sowie der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Dieser Aufgabenbereich kennzeichnet die Funktion der Banken als Geschäftsbanken. Darüber hinaus kann die Bank mit den Einlagen der Kunden Investitionen tätigen, deren Erträge in den Gewinn der Bank einfließen. Er läßt sich zum einen für die Finanzierung der Guthabenzinsen der Kundeneinlagen verwenden, zum anderen, insbesondere bei Privatbanken auf Aktienbasis, als Dividende an die Aktionäre ausschütten. Diese Aktivitäten kennzeichnen die Bank als Investment-Bank.

Die Investitionen der Bank sind grundsätzlich mit mehr oder weniger großen Risiken behaftet. Prinzipiell gilt die ökonomische Regel, je riskanter eine Investition ist, um so höhere Gewinne sind möglich, und umgekehrt. Ein hohes Risiko beinhaltet auch die Gefahr, dass die investierten Gelder vollständig verloren gehen. In der Regel wird eine Bank daher eine Risikostreuung betreiben. Teile des Geldes der Kunden werden in weniger riskante Anlagen investiert, die dann aber auch geringere Erträge erzielen. Bei den höchstriskanten Anlagen werden einige Investitionen als Totalausfälle zu verbuchen sein, während andere trotz des hohen Risikos tatsächlich die erwarteten hohen Erträge einfahren.

Im Extremfall kann sich eine Bank durch übermäßig hohe Anteile von Hochrisikoanlagen in eine Situation bringen, in der aufgrund der Gesamtverluste die üblichen Bankgeschäfte, vor allem aber die Rückzahlung der Bankeinlagen an die Kunden nicht mehr möglich ist – die Bank wird insolvent. Konsequenterweise würden damit die Kunden ihre Einlagen teilweise oder vollständig verlieren. Aus sozialen Erwägungen heraus fühlt sich der Staat häufig verpflichtet, in diesem Falle die Bank durch die Zuweisung staatlicher Gelder vor dem Bankrott zu bewahren. Die Bank wird als “systemrelevant“ erklärt, deren Zusammenbruch nicht im öffentlichen Interesse liegt. Nicht selten hat der Staat aber auch ein Eigeninteresse daran, die Bank zu retten, insbesondere wenn die Bank durch den Ankauf von Staatsanleihen in eine Schieflage geraten ist. Staatsanleihen gelten als risikofreie Anlage. Droht der Verlust dieses Ansehens, müssen Staatsanleihen künftig mit einem höheren Risiko bewertet werden, so dass eine entsprechend höhere Verzinsung angeboten werden muss, um den Absatz zu ermöglichen.

Es bestehen damit vornehmlich zwei Motive der Bankenrettung durch den Staat: der Schutz der Sparer vor unvorhersehbaren Verlusten und die Wahrung des Rufs von Staatsanleihen, eine sichere Geldanlage zu bieten. Neben den direkten finanziellen Unterstützungsleistungen des Staates besteht eine andere, indirekte Hilfsmaßnahme darin, die Bank schon im Vorgriff der drohenden Situation in die Lage zu versetzen, die Situation einer Insolvenz zu vermeiden. Dies geschieht zum einen durch die gesetzliche Vorschrift eines erhöhten Eigenkapitals der Bank (Basel II und Basel III). Die Bank wird dadurch gezwungen, nicht ihr gesamtes verfügbares Kapital für Investmentgeschäfte einzusetzen, sondern nur bestimmte Höchstbeträge, die sich nach den festgelegten Anteilen der Gesamteinlagen berechnen. Zum anderen wird die gesetzliche Verfügung der Bankentrennung erwogen. Mit dem erzwungenen Trennbankensystem werden Universalbanken verboten, die Bankengeschäfte und Investitionsgeschäfte in Haftungsgemeinschaft ausführen.

Aus ordnungspolitisch-marktwirtschaftlicher Sicht sind all diese Interventionen des Staates nicht notwendig, ja sogar schädlich. Geldgeschäfte, die die Kunden über eine Bank tätigen, sind grundsätzlich mit Risiken behaftet, die die Kunden allerdings auch kennen sollten. Eine marktwirtschaftlich saubere Lösung basiert daher auf einer vollständigen Information der Bankkunden über die Geschäfte, die die Bank mit den Kundeneinlagen tätigen wird. Der Bank steht es frei, von vornherein bestimmte Geschäfte ausschließt. So kann eine Bank beispielsweise damit werben, auf keinen Fall Investitionsgeschäfte mit den Kundeneinlagen vorzunehmen oder sich sogar institutionell in zwei eigenständige Geschäftsbereiche aufteilen: Einer für die üblichen Bankgeschäfte, der andere für das Investmentbanking. Möglich wäre sogar, im Bereich des Investmentbanking eine spezifische institutionelle Differenzierung anzubieten. Dann könnte beispielsweise sämtliche Investitionsgeschäfte mit Staatspapieren in ein isoliertes eigenständiges Unternehmen eingebunden werden.

Die zur Zeit diskutierten staatlichen Eingriffe in das Bankenwesen, sei es die Basel-III-Diskussion, die Bankenrettung aufgrund der Einstufung bestimmter Banken als systemrelevante Bank oder die Forderung einer generellen institutionellen Trennung in Geschäftsbank und Investitionsbank, sind daher nutzlose Beeinträchtigungen der marktwirtschaftlichen Effizienz. Wenn der Bankkunde gerne eine Universalbank nutzen will, die in einer Vermischung von Geschäftsbank und Investitionsbank in allen Bereichen ein volles Risiko eingeht und auch auf eine höhere Einlagenquote verzichtet, dann sollte ihm dies ermöglicht werden. Im Falle des Bankenbankrotts darf er aber nicht auf den Staat als Retter in letzter Not vertrauen – er muss selbst den Totalverlust in Kauf nehmen. Für vorsichtigere Bankkunden wird der Markt von selbst eine risikoscheuere Bank anbieten.

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