Ausländer werden von der Bevölkerung grundsätzlich kritischer betrachtet als die inländischen Mitbürger. Die prinzipiell ängstlichere und zurückhaltende Beurteilung basiert auf den geringeren Informationen, die dem Durchschnittsbürger über die Ausländer vorliegen. Viele beschränken sich auf Vorurteile. Dagegen hilft eine bessere Aufklärung nur bedingt, weil der Wissensgewinn nicht befohlen und Ignoranz nicht verboten werden kann. Andererseits steht es aber auch jedem Inländer frei, die angebotenen Informationen über die zugewanderten Ausländer zu bezweifeln, vor allem wenn eigene Erfahrungen dem widersprechen. Eine öffentliche Aufklärung ist daher umso wirksamer, je häufiger positive Erfahrungen auf der individuellen Ebene vermittelt werden können.
Am einfachsten ist die positive Einschätzung der Touristen und Urlauber. Sie sind erkennbar nur vorübergehend da und bringen Geld ins Land. Sie sorgen für mehr Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen und damit für mehr Beschäftigung, andererseits aber auch in den touristischen Ballungszentren für mehr Verkehr, Lärm und höhere Preise, was den Einheimischen, die nicht unmittelbar von den Besuchern profitieren, weniger gefällt. Staatlicherseits kosten Touristen und Urlauber die Bereitstellung einer entsprechenden Infrastruktur, die – wenn nicht über Kurtaxen oder ähnliche Umlagen finanziert - aus den allgemeinen Steuereinnahmen bezahlt werden muss. Übersteigen die durch den Tourismus verbesserten Steuereinnahmen insgesamt diese Kosten, liegt ein Wohlstandsgewinn vor.
In den gleichen Kategorien ist die Zuwanderung von ausländischen Dienstleistern und Arbeitskräften zu messen. Während die inländischen Touristikangebote für Ausländer einem Export von Waren und Dienstleistungen gleichkommen, wirkt die inländische Beschäftigung von Ausländern wie ein Import. Sie ähneln ökonomisch der Verlagerung inländischer Arbeitsplätze ins Ausland, jedoch werden die ausländischen Beschäftigten nun im Inland direkt wahrgenommen. Soweit diese Beschäftigung zu Lasten inländischer Arbeitsloser erfolgt, führt die ungeliebte Konkurrenz bei den Inländern verständlicherweise schnell zur Ausländerkritik. Die gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrtseffekte werden dabei schnell übersehen.
Der Grund, warum inländische Unternehmen ausländische Arbeitskräfte oder Dienstleister einstellen, liegt hauptsächlich bei zwei Argumenten: Im Inland bestehen überhaupt keine entsprechenden Angebote oder sie sind den Unternehmen zu teuer. Der zweite Sachverhalt verdient besondere Beachtung. Billige ausländische Arbeitskräfte drücken die Löhne auf dem inländischen Arbeitsmarkt. Die Gewinne der Unternehmen steigen dadurch (oder werden überhaupt erst ermöglicht), inländischen Arbeitskräfte verlieren aber dadurch möglicherweise ihre Arbeit, müssen Lohneinbußen akzeptieren oder eine andere Beschäftigung suchen. Gesamtökonomisch betrachtet führen diese im Einzelfall harten Konsequenzen allerdings zu einem wettbewerblichen Wohlfahrtsgewinn.
Für ausländische Saisonarbeiter lohnt sich die Niedriglohnbeschäftigung, weil sie das erworbene Einkommen hauptsächlich in ihrem Heimatland verwenden, in dem die Lebenshaltungskosten ebenfalls niedrig sind. Bleiben sie jedoch dauerhaft und lassen sich sogar einbürgern, werden ihre höheren Lebenshaltungskosten mittelfristig dazu führen, mehr als den bisherigen Niedriglohn zu verlangen. Für den Staat sind ausländische Arbeitskräfte insbesondere dann interessant, wenn Teile ihres Einkommens inländisch als Steuereinahmen eingezogen oder den Sozialsystem zugeführt werden. Allerdings hilft letzteres in den bestehenden Umverteilungssystemen nur aktuell. Langfristig erwachsen daraus auch Leistungsansprüche, die in der Gesamtbilanz zu einem Verlustergebnis führen können.
Scharf rechnen muss der Fiskus auch beim humanitären Thema Asyl. Natürlich ermöglicht es einen moralischen Ertrag, politisch oder religiös verfolgten Ausländern zu helfen. Die Frage ist jedoch, wie und vor allem wo dies am effektivsten erfolgt. Vielfach kommen die Asylanten aus Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten. Die Hilfe im Inland ist wesentlich teurer als in deren Heimatland. Die Beseitigung der Asylgründe kann daher mit gleichem finanziellem Aufwand mehr Menschen helfen. Umgekehrt ist es ökonomisch wenig vernünftig, wenn Asylanten im Gastland die Möglichkeit verweigert wird, einen Teil ihrer Aufenthaltskosten durch Arbeit selbst zu finanzieren. Ein Gratisaufenthalt in einem reichen Land verstärkt zudem die Versuche, auch unberechtigt Asyl zu beantragen. Die hohen Preise, die Schlepperbanden von ihren „Kunden“ einfordern und erhalten, beweisen die potentiell hohen persönlichen Gewinnmöglichkeiten.
Eine Lösung könnte die Weitersendung der Asylsuchenden in andere, billigere Aufenthaltsländer sein. Auch so ließe sich bei gleichhohen Gesamtaufwendungen mehr Menschen helfen als im Inland. Die Attraktivität der „Luxusunterbringung“ würde als Motiv der Zuwanderung entkräftet. Dass die relativ feudale Unterbringung ein Problem ist, zeigt sich nicht zuletzt an der gezielten Zuwanderung krimineller Ausländer aus sehr armen Ländern, denen nicht nur ein Raubgewinn winkt. Selbst im Falle der Festnahme ist der Gefängnisaufenthalt häufig wesentlich kommoder als das freie Leben in der Heimat. Die Abschiebung in andere, nur wenig unkomfortablere Länder könnte damit allen drei Seiten noch einen positiven Wohlfahrtszuwachs bescheren.
Zuwanderung ist somit sehr differenziert zu betrachten. Stupide Ausländerfeindlichkeit ist genauso zu verurteilen, wie unreflektierte Zuwanderungseuphorie nicht sinnreich ist. Nur wohlfahrtsökonomisch positive Regelungen helfen In- wie Ausländern gleichermaßen und mindern Zuwanderungsängste.