Dienstag, 19 März 2019

Ukrainische Armee am Ende

Kräftezehrender Einsatz in der Ostukraine – US-Botschafter ermuntert zum Weitermachen

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Jens Hastreiter Politik Dienstag, 03 Juni 2014 05:06

Berlin - Die ukrainische Armee ist seit Wochen im Osten des Landes in Kämpfe gegen „Separatisten“ und pro-russische Kämpfer verwickelt. Das geht inzwischen offenbar an die Substanz. Das ukrainische Militär habe seine menschlichen und materiellen Ressourcen bei der „Terrorismusbekämfung“ inzwischen ausgeschöpft, berichtete jetzt die Moskauer Zeitung „Nesawissimaja Gaseta“.

Die Hauptmasse der ukrainischen Soldaten und Offiziere wolle nicht gegen Mitbürger kämpfen, so die „Nesawissimaja Gaseta“ (Unabhängige Zeitung). Deshalb seien hauptsächlich die sogenannte Nationalgarde sowie Söldnerbataillone der territorialen Verteidigung an den Kampfhandlungen beteiligt.

 

Am 29. Mai hätten prorussische Volkswehr-Milizen einen Mi-8-Hubschrauber der Regierungstruppen bei Slawjansk im Südosten der Ukraine abgeschossen, wobei 14 Militärs ums Leben gekommen seien, darunter Generalmajor Sergej Lultschizki, Chef der Kampf- und Spezialausbildung der Nationalgarde. Der Tod des Generals bedeute „ein großes psychisches Trauma für die Militärs. Der moralische Zustand der Armee ist ohnehin nicht auf der Höhe“, so die Zeitung.

 

Als die Ukraine vor mittlerweile 23 Jahren die Weichen für einen NATO-Beitritt stellte, war die Regierung in Kiew überzeugt, das Land brauche keine starke Armee mehr. Daher seien die Streitkräfte zu einer Einnahmequelle gemacht worden, indem hunderte von Panzern, Kampffahrzeugen, Hubschraubern und Flugzeugen, die von den sowjetischen Truppen ererbt worden waren, verkauft wurden. In den zurückliegenden über zwei Jahrzehnten habe die Armee lediglich zehn neue Panzer und rund 80 Schützenpanzerwagen bekommen, die der Irak wegen Rissen in der Panzerung abgelehnt hatte.

 

Auch gebe es im Osten des Landes praktisch keine militärische Infrastruktur. „Nahezu alle Truppen waren wie auch in der Sowjetzeit in Garnisonen im Westen stationiert. Die Verlegung von Menschen und Technik nach Osten mit der Eisenbahn und das Betanken der Kampffahrzeuge, die nach Osten rollten, kostete Milliarden von Griwna“, so die „Nesawissimaja Gaseta“.

 

Infolgedessen seien die ukrainischen Streitkräfte jetzt nicht zu „entschlossenen offensiven Aktionen“ fähig. Eher aus Wut und Resignation, um die Einwohner unter psychologischen Druck zu setzen, feuerten sie mit Artillerie und Raketen in örtliche Widerstandszentren. Doch bei der betroffenen Zivilbevölkerung werde damit eher das Gegenteil bewirkt - immer mehr Menschen gingen zur Volkswehr.

 

Die „Nesawissimaja Gaseta“ stellt fest: „Der Krieg im Südosten der Ukraine war von Anfang an ein positioneller Erschöpfungskrieg. So geht er auch weiter. Während aber die Volkswehr-Milizen ihre Entschlossenheit nicht verlieren, bis zum Sieg zu kämpfen, und regelmäßig Nachschub bekommen, haben die Truppen und die Nationalgarde ihre menschlichen und materiellen Ressourcen ausgeschöpft.“

 

Die neue, nunmehr demokratisch legitimierte Regierung Poroschenko will offenbar gleichwohl an der bisherigen Befriedungsstrategie mit militärischen Mitteln festhalten. Unmittelbar nach seiner Wahl am 25. Mai erörterte der neue ukrainische Präsident Pjotr Poroschenko in der Kiewer US-Botschaft mit dem amerikanischen Botschafter Geoffrey Pyatt den „Anti-Terror-Einsatz“ im Osten der Ukraine.

 

Dabei soll Poroschenko nach Informationen der russischen Nachrichtenagentur RIA Nowosti ultimativ gefordert haben, das Territorium der Gebiete Donezk und Lugansk noch vor seiner für den 7. Juni geplanten Amtseinführung zu „säubern“. Dabei soll auch, wie eine anonyme Quelle belegt, von einer „akzeptablen Anzahl“ von 2.000 Toten die Rede gewesen sein. Nachdem er Poroschenko zum Wahlsieg gratuliert habe, soll sich Pyatt  für „aktivere Handlungen“ der Armee im Osten des Landes ausgesprochen haben. Sollte es dabei zu viele Todesopfer geben, so würden die USA den „negativen Effekt abfedern und die internationale Reaktion herunterspielen können“, sagte der US-Botschafter dabei zu.

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