Montag, 21 Januar 2019

Fehlender ökonomischer Verstand bei apokalyptischen Klimaprognosen

Mehr Katastrophe als Vernunft

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Politik Samstag, 05 Oktober 2013 14:41
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb
Bild: Alpe Nordsee Verlag GmbH

Auch wenn das Thema Klimawandel im Bewusstsein der meisten Bürger den Katastrophenstatus schon verloren hat, es bewegt nach wie vor die Gemüter – vor allem der Wissenschaftler und Politiker, die sich seit Jahrzehnten damit hauptberuflich beschäftigen. Fachkritikern der prognostizierten Klimakatastrophe missfällt neben der naturwissenschaftlich ungewissen Erklärung vor allem die vorgespiegelte Präzision der sehr langfristigen Vorhersagen. Aus ökonomischer Sicht sind jedoch erstens die ökonomische Effizienz der verschiedenen Reaktionsmöglichkeiten und zweitens die Verteilung der entstehenden Kosten gewichtiger.

On die Welttemperatur bis zum Jahr 2100 um 3 oder um 8 Grad ansteigt und der Meeresspiegel um 28 oder 84 Zentimeter höher liegt, ist eher eine Frage naturwissenschaftlicher Streitlust. Hilfreich ist allenfalls das maximale Ausmaß dieser Prognosewerte. Wichtiger ist die sichere Erklärung der Ursache für diese möglichen Phänomene. In der Regel verweisen die Klimaforscher der Katastrophenfraktion auf den Anstieg der Kohlendioxyd-Emissionen (CO2). Die Gegner dieses Erklärungsansatzes sehen die Ursache eher in anderen Faktoren, insbesondere solche, die nicht durch die Menschen beeinflussbar sind.

 

Auch bei den Anhängern der CO2-Ursachenvermutung sind einige der Ansicht, daran könnten die Menschen nichts ändern. Stimmt die Vermutung, das Klima ließe sich nicht durch Menschenhand beeinflussen, kann sich die wirtschaftliche Reaktion auf einen möglichen Wandel der Temperatur oder einen Anstieg des Meeresspiegels auf die Vermeidung oder Minderungen entsprechender negativer Auswirkungen konzentrieren. Die Menschen müssten in höher gelegene Gebiete umsiedeln oder in Meeresnähe höhere Dämme errichten, auf steigende Hitze insbesondere mit einer Verbesserung der Wasserwirtschaft reagieren oder bei alternativer Erkaltung der Erde die Energiegewinnung verbessern.

 

In der globalen Betrachtung können sich die Auswirkungen regional sehr unterschiedlich zeigen – auf Grönland ist möglicherweise wieder Grünlandbewirtschaftung ausführbar und Menschenmassen streben aus den jetzt schon trockenen Gebieten der Sahelzone nach Europa oder nach Südafrika oder aber Europa vereist und die Sahara erblüht. Auch bei den extremen Vorhersagen wird diese Entwicklung in der Regel in kleinsten Schritten erfolgen, etwa ein Temperaturanstieg um 0,05 Grad oder ein Meeresanstieg um 7 Millimeter pro Jahr. In der Regel besteht also genug Zeit, um zu reagieren oder sich anzupassen.

 

Dennoch werden die Reaktionen auf den möglichen Klimawandel Geld kosten. Die Kosten sind vornehmlich von den unmittelbar Betroffenen aufzubringen. Ihnen obliegt auch die Entscheidung, ob sie ihren Standort beibehalten und sich vor Ort gegen den Klimawandel schützen oder ob sie ausweichen und an anderer Stelle ansiedeln. Gleichermaßen liegt zunächst in der eigenen Entscheidung, ob individuelle oder gemeinschaftliche Schutzmaßnahmen getroffen werden, beispielsweise ob das eigene Haus gegen Hochwasser geschützt oder ein Damm für alle im hochwassergefährdeten Gebiet liegenden Häuser aufgeschüttet wird. In der Summe der freien Entscheidungen über individuelle oder einvernehmlich gemeinschaftliche Maßnahmen wird eine maximale ökonomische Effizienz erreicht.

 

Dagegen verursacht eine Vergemeinschaftung der Kosten, etwa durch Subventionierung aus Steuermitteln oder staatliche Festlegung der Schutzmaßnahmen, zwangsläufig ein suboptimales Ergebnis. Hier werden Menschen zur Kasse gebeten, die allenfalls einen unmittelbaren Nutzen moralische Art (Solidarität mit den betroffenen Landsleuten) daraus ziehen können, wenn etwa Bewohner höher gelegener Regionen den Dammbau an der Meeresküste außerhalb ihrer freiwilligen Spendenbereitschaft mitfinanzieren sollen. Das Ausmaß ihres moralischen Gewinns bestimmen nicht die Helfenden, sondern der Staat.

 

Diese Ineffizienz wird verstärkt, wenn der Staat zudem bestimmt, welche Schutzmaßnahmen konkret getroffen werden: Wird der Damm beispielsweise verbindlich vorgeschrieben, werden Hausbesitzer enttäuscht, die sich von einem direkten Schutz mehr versprechen. Der Staat geriert sich als Besserwisser. Das Maximum an staatlicher Wissensanmaßung wird erreicht, wenn nicht die Folgen, sondern die Ursachen der vermuteten Klimakatastrophen bekämpft werden. Die schon bestehenden Unsicherheiten über die möglichen Folgen werden zusätzlich belastet durch die kaum kalkulierbaren Wirkungszusammenhänge zwischen diesen und den mutmaßlichen Ursachen.

 

Ein Paradebeispiel bietet die anfangs erwähnte Auswirkung der menschengemachten Kohlendioxyd-Emission auf die globale Erderwärmung. Viele Wissenschaftler, vornehmlich außerhalb der veröffentlichten Meinung, sehen keinen ernstzunehmenden Beweis für die nachteiligen Wirkungen der CO2-Emissionen auf die Umwelt. Die Kosten einer CO2-Reduktion sind daher Ausgaben, die zunächst der freiwilligen Entscheidung der Unternehmen und Konsumenten obliegen sollten, sofern sie individuell vom technischen Sinn überzeugt sind. Die Staatsmacht, die an den Wirkungszusammenhang glaubt, wirft ein, die damit erreichbare Vermeidung oder Verminderung der Klimaerwärmung sei ein Gemeinschaftsgut. Die Kosten der CO2-Reduktion müssten somit alle tragen; bei diesem globalen Problem letztlich alle Staaten auf der Erde.

 

Den Luxus einer möglichen Fehlentscheidung mit wirtschaftlich unsinnigen Ausgaben können sich jedoch nur reiche Staaten erlauben, denen ein Verzicht auf Konsumgüter zugunsten jeglicher Umweltfürsorge nur geringe Wohlfahrtsverluste beschert. Arme Staaten denken zuerst an die Güterversorgung. Dieser Grundsatz gilt auch dynamisch. Ärmer werdende Staaten reduzieren die Umweltfürsorge, Länder mit wachsendem Wohlstand können sich davon mehr leisten. Geraten die reichen Länder in einen Abwärtstrend, werden auch dort die Politiker zunehmend an der Sinnhaftigkeit der Erderwärmungsbekämpfung zweifeln. Es wäre fatal, wenn bis zu dieser Einsicht die volkswirtschaftlichen Ressourcen bereits weitgehend für eine ökonomisch unsinnige Ursachenbekämpfung verpulvert wären.

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