Das war eine smarte Aktion, die der eher sperrig zu lesenden "WOZ" einige Aufmerksamkeit schenken wird. Dabei darf aber auch spekuliert werden, ob es nicht im Interesse Dritter liegen könnte, mit solchen Charaden das Image der Schlapphüte zu konterkarieren.
Gert Rene Polli (Jahrgang 1960), langjähriger Geheimdienstchef der Republik Österreich und Sicherheitsberater des Siemens Konzerns, weiß, dass die Medien längst zur wichtigsten Waffe der Nachrichtendienste geworden sind. "Da gibt es Einflüsse und lancierte Aktionen", sagt Polli.
Zeitgleich zur Aktion der "WOZ" sammelt der US-Nachrichtendienst, so kam nun heraus, Bewegungsdaten von mindestens 100 Millionen (!) Mobiltelefonen weltweit und erstellt dabei Millionen von Bewegungsprofilen. Laut Informationen der "Washington Post" fallen dabei täglich 5 Milliarden Datensätze an. Die Überwachung richte sich vor allem gegen Ausländer, auch gegen Deutsche, Österreicher und Schweizer. Gert Rene Polli sieht aber kaum eine realistische Möglichkeit allein auf dieser Datenmenge basierend fundierte nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu sammeln. Die Technik wird überschätzt. "Letztendlich kommt es auf die gezielte Informationsgewinnung aus Gesprächen und Netzwerken an", erklärt der frühere BVT-Chef Gert Rene Polli gegenüber unserer Redaktion.