Dienstag, 19 März 2019

Allseitiger Schaden der Facharbeitermigration

Vampirismus der staatlichen Zuwanderungspolitik

von PROSPERIA-LAURINA-REDAKTEUR  Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Politik Montag, 24 Februar 2014 13:46
Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb Prof. Dr. Bernd-Thomas Ramb
Bild: Alpe Nordsee Verlag GmbH

Der einseitige Blick auf die Gefahr einer Einwanderung in die Sozialhilfe wohlhabender Staaten lenkt von den Hauptproblemen der staatlich propagierten Migration ab. Keiner befürwortet ernsthaft den Zustrom von Sozialhilfeempfängern. Die Gegner einer Migrationskontrolle verweisen deshalb vorzugsweise auf den von ihnen prognostizierten Zustrom von dringend benötigten Facharbeitern und Akademikern, abgesehen von der grundsätzlichen Forderung nach freier Wahl des Aufenthaltsortes. Die qualifizierte Zuwanderung soll aber nicht nur den aktuellen Bedarf der Wirtschaft an Fachkräften decken, sondern auch willkommenen Zusatzeinnahmen der staatlichen Sozialkassen dienen. Der langfristige volkswirtschaftliche Schaden dieser Politik wird – wie so häufig – in die Zukunft verlagert.

Auch wenn allein die Fachkräftezuwanderung analysiert wird, ist die Problematik der potentiellen Sozialhilfezuwanderung nicht außen vor. Zugewanderte Spezialisten können ebenfalls arbeitslos werden und der staatlichen Versorgung bedürfen. Deutliches Beispiel für diese Schwachstelle bilden die Zuwanderer, die zunächst freiberuflich oder im Kleingewerbe tätig sind und nach mehr oder wenig kurzer Zeit damit ihren Lebensunterhalt nicht mehr verdienen können. Die bloße Vorspiegelung einer angeblichen Produktivität, die lediglich den Zuzug erleichtern soll, ist dabei nicht immer auszuschließen. Bezogen auf den tatsächlichen Versuch, mit fachlicher Eignung sein Einkommen zu erwirtschaften, wäre die Gefahr einer nach kurzer Zeit benötigten staatlichen Unterhaltshilfe allenfalls durch die Vorgabe einer Mindestaufenthaltsdauer bis zur Berechtigung des Sozialhilfebezugs zu bannen.

 

Für die tatsächlich dauerhaft produktiven Zuwanderer ist diese Befürchtung grundlos. Hier liegen die Probleme in den ökonomischen Nebenwirkungen, die vor allem von den unterschiedlichen Motiven der Zuwanderung mit ihren Folgen für das Einwanderungs- und Auswanderungsland abhängen. Hochqualifizierte Arbeitssuchende verlassen ihre Heimat, weil sie dort keine oder nur schlechtbezahlte Arbeit finden. Weitere Ursachen der Auswanderung können die schlechten Lebensbedingungen sein, insbesondere drohende politische Verfolgung, Unfreiheit oder Umweltverschmutzung. Die Vorteile des Auswanderns müssen jedoch groß genug sein, dass sie damit verbundene Nachteile, wie die Trennung von der Familie und der Heimat, aber auch Kulturbarrieren oder der Zwang, eine fremde Sprache zu erlernen, überwiegen.

 

Umgekehrt muss das Land, das die Einwanderung verstärken will und sich gezielt um die Fachkräfte bemüht, genügend Anreize schaffen, um diese Hindernisse zu beseitigen. Vornehmliches Instrument ist die Bezahlung entsprechend hoher Löhne. Der Lohnhöhe sind allerdings ökonomische Grenzen gesetzt. Liegt die Produktivität des zuwandernden Facharbeiters unter seiner Entlohnung, wird das Gastland auf die Zuwanderung verzichten. Ein Beispiel bietet die missglückte Aktion der „Blauen Karte EU“, die ausländischen Spezialisten die Arbeitsgenehmigung in der Europäischen Union erleichtern sollte. Die massenhafte Zuwanderung beispielsweise indischer Computerspezialisten blieb nicht zuletzt deshalb aus, weil deren Fähigkeiten verglichen mit der geforderten Entlohnung oftmals nicht den Erwartungen entsprachen. An der Notwendigkeit der ökonomischen Effizienz kommt keine staatliche Zuwanderungspolitik vorbei.

 

Liegt eine genügend große Profitspanne zwischen der Leistungsfähigkeit ausländischer Fachkräfte und deren Bezahlung, droht allerdings die Gefahr einer einseitigen Ausbeutung und eines Lohndumpings. Wenn beispielsweise ungarische Ingenieure mit einem Gehalt knapp über dem Niveau ihres Heimatlandes abgespeist werden, entsteht für ihre inländischen Kollegen eine unliebsame Konkurrenz, die ihnen die Arbeitsplätze streitig macht. In den USA galten ausländische Wissenschaftler viele Jahrzehnte als „Jobkiller“. Ihr Ansehen war entsprechend niedrig. Dies verringerte den Wunsch, den Aufenthalt im fremden Arbeitsland dauerhaft anzustreben. Die Zuwanderung ausländischer Facharbeiter entwickelt sich daher nur dann zu einer echten Bevölkerungsvergrößerung, wenn nicht nur das Einkommen stimmt, sondern auch die Lebensumstände in der neuen Heimat.

 

Erfolgreiche Zuwanderung kann sich jedoch zur permanenten Abhängigkeit entwickeln. Je unattraktiver damit die inländische Heranbildung von Facharbeitern wird, umso mehr ist das Land auf den ansteigenden Import der Spezialisten angewiesen. So ist etwa die Schweiz zunehmend auf die Zuwanderung deutscher Ärzte angewiesen, weil ihre eigenen Landsleute immer weniger ein Medizinstudium anstreben. Da die deutsche Quelle am Versiegen ist, werden neuerdings Ärzte aus den osteuropäischen Ländern angeworben. Gerade dabei wird ein generelles Problem der Zuwanderung von Hochqualifizierten deutlich: Das Entsendeland leidet unter einer Auszehrung der eigenen Eliten. Die reichen Einwanderungsländer saugen die armen Auswanderungsländer aus, wie ein Vampir, der ständig frisches Blut benötigt.

 

Moralisch besonders bedenklich wird dieser Effekt, wenn die Zuwanderung politisch gefordert und gefördert wird. Das häufig vorgetragene Argument, die Zuwanderung der Fachleute würde die staatlichen Sozialkassen füllen, mag die Befürchtung abwehren helfen, es drohe allein eine Zuwanderung in die Sozialhilfe. Allein es gefährdet damit die internationale soziale Gerechtigkeit. Wirtschaftlich arme Länder mit einer qualifizierten Elite werden nicht nur ausgeblutet, es werden ihnen auch die Möglichkeiten beschnitten, sich selbst ökonomisch und gesellschaftlich weiterzuentwickeln. Verlassen die Eliten ihre Heimat und gründen sie im Ausland ihre eigenen Familien, wird zudem der elitäre Nachwuchs der Ursprungsländer dauerhaft beeinträchtigt. Im Zuwanderungsland tritt dagegen der Dekadenzeffekt ein. Staat und Gesellschaft sehen weniger Anlass, ihre Leistungsträger aus den eigenen Reihen heranzubilden, da der Import die bequemere Lösung bietet.

 

Wenn nun, wie in der Schweiz, der Beschluss zu einer Beschränkung der Zuwanderung gefasst wird, fördert dies auch eine Rückbesinnung auf die Eigenverantwortung der schweizerischen Gesellschaft, für die langfristige Sicherung der ökonomischen Zukunft selbst aufzukommen. Zweifellos: Das Land, das darauf verzichtet, schafft sich letztendlich ab. Was natürlich einer freien Gesellschaft nicht zu verbieten ist. Sie sollte es nur wissen.

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